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Interview mit Martin Gaubitz, Geschäftsführer und Gründer der Gaubitz Digital GmbH: Im Marketing und E-Commerce herrscht häufig noch eine klassische Projektdenke

Digitalisierung und E-Commerce
„Im Marketing und E-Commerce herrscht häufig noch eine klassische Projektdenke“

Martin Gaubitz Industrienanzeiger Interview
Martin Gaubitz, Gründer und Geschäftsführer der Gaubitz digital GmbH im Gespräch mit Industriezeiger über den Mittelstand und Online-Marketing.

E-Commerce und Online-Marketing sind wichtige Standbeine für viele Unternehmen. Gerade Mittelständler tun sich beim Aufbau von Online-Strategien aber schwer. Hierfür gibt es Beratungsunternehmen, wie beispielsweise die Gaubitz digital GmbH. Wir haben mit dem Gründer und Geschäftsführer Martin Gaubitz gesprochen. 


Das Interview führte Alexander Gölz, Chefredakteur Industrieanzeiger

 
Herr Gaubitz, Sie sind Gründer von Gaubitz digital. Was bietet Ihr Unternehmen an?

Wir bieten Beratungsleistungen im Bereich E-Commerce und Onlinemarketing an. Hierbei unterstützen wir Unternehmen online sichtbar zu werden, z.B. auf Suchmaschinen, Social Media Plattformen oder Marktplätzen. Die reine Auffindbarkeit und Präsenz auf den genannten Kanälen ist oft natürlich nicht das eigentliche Ziel, sondern vor allem die beiden Fragen „Wie können wir daraus Leads für unseren Vertrieb generieren?“ oder „Wie kann eine mögliche E-Commerce-Strategie aussehen bzw. weiter optimiert werden?“ stehen im Vordergrund. Zusammengefasst unterstützen wir also Marketing und Vertrieb im gehobenen Mittelstand bei der Digitalisierung der Kundenansprache und des Umsatzes.

Wo brennt es am stärksten im Bereich Digital Marketing im Mittelstand?

Aus unserer Sicht stehen mittelständische Unternehmen immer vor der Herausforderung Digital Marketing in die kontinuierliche Umsetzung zu bringen. Jeder hat es schon mal erlebt: Teile des Teams waren auf einer Schulung oder es fand sogar ein Strategieworkshop statt – anschließend gehen alle hochmotiviert an die Umsetzung. Aber nach gewisser Zeit versanden die Maßnahmen und Aktivitäten im Tagesgeschäft und es herrscht eine gewisse Planlosigkeit oder noch schlimmer schierer Aktionismus. Häufig erhalten Unternehmen durch externe Schulungen lediglich vorgefertigte Schablonen, die dann doch nicht zum Unternehmen und in die Unternehmensprozesse passen.

Viele Unternehmen, z.B. im Komponentengeschäft, haben ein gewachsenes Produktmanagement, mehrstufige Vertriebsstrukturen und kennen das Messegeschäft sehr gut. Aber wie schafft man es aus den individuellen Rahmenbedingungen das Beste für das Onlinemarketing herauszuholen und kontinuierlich auch umzusetzen? Ein häufiges Problem ist zum Beispiel, das zwar viel Content im Unternehmen existiert, der von Marketing oder Produktmanagement erstellt wurde, aber dieser Content ist oft nur bedingt geeignet für Marktplätze, den eigenen Onlineshop, Soziale Netzwerke oder auch die eigene Unternehmenswebsite. Das ideale Zusammenspiel also, zwischen Produktmanagement, Vertrieb, Marketing, IT und ggf. auch externen Stakeholdern, wie Vertriebs- und Handelspartnern, Dienstleistern und Übersetzungsagenturen usw., ist also eine sehr große Herausforderung für professionelle Onlinemarketing- und E-Commerce-Prozesse im Mittelstand.

Sie bieten auch Coachings in Unternehmen an. Wie läuft ein solches Coaching ab und wie lange geht es in der Regel?

Die Geschäftsführung, besonders in mittelständischen Unternehmen, steht regelmäßig vor sehr großen Herausforderungen. Gerade die Themen Digitalisierung, E-Commerce und Onlinemarketing führen häufig zu neuen oder auch ungewohnten Fragestellungen. Nach einem ersten Kennenlerntermin definieren wir zunächst die relevanten Fragestellungen und legen ein konkretes Ziel, sowie Zeitrahmen von typischerweise drei bis sechs Monaten fest. Wir führen dann regelmäßige Gespräche mit dem Kunden, hinterfragen dabei den Status-quo und befähigen den Auftraggeber selbst mögliche Lösung abzuleiten. Schließlich kennt der Coachee die Branche, die Abläufe und die Produkte viel besser als es jemand von extern. Durch den sehr vertrauensvollen Austausch und durch stetiges, kritisches Hinterfragen führen wir an die neuralgischen Punkte heran und zeigen entsprechende Perspektiven auf. Letztendlich entscheidet dann der Coachee selbst, welchen Weg er weiter geht, beziehungsweise wie die unterschiedlichen Perspektiven im Entscheidungsfindungsprozess einfließen.

Was müssen Unternehmen hierzulande noch dazulernen, um bei der voranschreitenden Digitalisierung mitzuhalten?

Es geht in der Digitalisierung immer um eine gewisse Geschwindigkeit und Lernbereitschaft. In dem Moment, wo das Gefühl entsteht „Jetzt haben wir es geschafft!“ können sich schlagartig die Rahmenbedingungen ändern oder ein neuer Wettbewerber auf den Plan treten. Beispielsweise der Google-Algorithmus wird hunderte Male im Jahr justiert und elementare Aspekte ändern sich dort regelmäßig. Für die Suchmaschinenoptimierung bedeutet dies, dass sich anbahnende Änderungen zeitnah realisiert werden müssen und die SEO-Strategie daraufhin angepasst werden muss. Aus Sicht der Kunden unserer Kunden steigen auch die Erwartungen an die Inhalte und Funktionen von Websites und Onlineshops deutlich.

Um mit der Digitalisierung mithalten zu können, muss daher die Voraussetzung geschaffen werden, erfolgskritische Chancen und Risiken frühzeitig zu erkennen und zügig in die Umsetzung gehen zu können. Da sich nicht aus jeder Chance eine nachhaltige Strategie entwickelt, erreicht man unter Umständen nicht das gewünschte Ziel oder macht bei der Umsetzung auch Fehler. Das Entscheidende ist aber, aus dieser Erfahrung und den Fehlern schnell Rückschlüsse zu ziehen und daraus zu lernen. Die so gewonnenen Erkenntnisse fließen dann in einem neuen oder anderen Ansatz ein und man arbeitet sich iterativ voran. So werden dann auch wirklich die Fortschritte erzielt, die man benötigt. Ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess existiert zwar in vielen Unternehmen, vor allem für die Produktion oder in der Logistik, aber im Marketing und E-Commerce herrscht leider häufig noch eine klassische Kampagnen- und Projektdenke.

Wie ist ihr Zukunftsausblick – wo geht die Reise in Sachen Digital Marketing und E-Commerce hin?

Ich glaube, es gibt zwei oder drei Themen, die jedes Unternehmen hinsichtlich E-Commerce und Onlinemarketing auf der Agenda haben muss. Marketing und E-Commerce benötigen für die Zukunft mehr Kreativität und Einfallsreichtum. Der Nullachtfünfzehn-Onlineshop wird bei zunehmender Professionalisierung im Markt z.B. nicht mehr ausreichen. Es braucht sehr gute Gründe und einen nachvollziehbaren Nutzen, warum z.B. Bestandskunden zukünftig in einem Hersteller-Onlineshop bestellen sollen und nicht auf einem großen Marktplatz. Es geht auch im Onlinemarketing nicht um die außergewöhnlichsten und lautesten Kampagnen, sondern viel mehr darum mit den wirklich relevanten und interessanten Inhalten in den richtigen Kanälen zu kommunizieren. Und auch das hat jeder schon einmal erlebt: Man entdeckt ein vielversprechendes Whitepaper oder eine Checkliste und nach der Registrierung entpuppen sich die Dokumente als ziemlich belanglos und man wird auch noch von schlecht vorbereiteten Vertrieblern kontaktiert.

Darüber hinaus geht es in Zukunft noch viel stärker darum, mit effizienten Systemen und automatisierten Prozessen zu arbeiten. E-Commerce kann sehr stark auf Prozesskosten einzahlen, aber die so entstehenden Vorteile müssen erst einmal system- und prozessseitig gehoben werden. Die Themen Künstliche Intelligenz, Machine Learning und gerade im Onlinemarketing daraus resultierend automatisierte Bietstrategien werden zukünftig Onlinemarketing-Kampagnen dominieren.

Der letzte Aspekt wäre die Operationalität, also die Anwendbarkeit. Externes Wissen oder auch Experten sind grundsätzlich zugänglich, natürlich muss im Unternehmen dafür eine Bereitschaft und auch Budgets existieren. Aber erst wenn sowohl die Expertise von extern und intern sinnvoll ineinandergreifen und daraus umsetzbare Initiativen, Projekte und Maßnahmen entstehen, werden wirklich Mehrwerte geschaffen. Wir müssen mit unserem Kunden an den Punkt kommen, an dem nicht nur über Erkenntnisse und konkrete Maßnahmen gesprochen wird, sondern dieser auch wirklich umgesetzt werden. Man sagt so schön: Getan ist besser als gesagt oder gedacht. Diejenigen, die also konsequenter und schneller umsetzen, dabei Erfahrung sammeln, werden auch zukünftig erfolgreich im Onlinemarketing und E-Commerce sein.

Sie bauen gerade die Digital Forest Academy auf. Was verbirgt sich dahinter?

Die Digital Forest Academy wird im vierten Quartal 2021 an den Start gehen und zu Beginn neun bis elf unterschiedliche Kurse und Formate bieten. Uns liegt sehr viel daran unsere Kunden und den Mittelstand zu befähigen, sowohl die Relevanz als auch die wichtigsten Aspekte im Onlinemarketing und E-Commerce selbst erkennen, zu verstehen und auch umsetzen zu können. Wir glauben fest daran, dass unsere Kunden mit den entsprechenden Grundlagen und Vorkenntnissen ganz anders ihre individuellen Herausforderungen und Ziele artikulieren und angehen können,als ohne die entsprechenden Grundlagen und Vorkenntnisse.

Die Digital Forest Academy setzt mit einem umfangreichen Aus- und Weiterbildungsprogramm in den Bereichen E-Commerce, Onlinemarketing, Webanalytics und auch New Work genau dort an. Wir werden hier nicht nur Grundlagen, sondern vor allem auch aktuelles Wissen schulen und damit für Geschäftsführer*innen, Marketingleiter*innen und neuen Mitarbeiter*innen eine sehr gute Ausgangslage für weitere Gespräche bieten. Das so erworbene Wissen und diese Ausgangslage kann dann der Startschuss für die Entwicklung einer individuellen Onlinemarketing- oder E-Commerce-Strategie für das entsprechende Unternehmen bieten.
 


Sie möchten Martin Gaubitz live erleben? Er wird auf dem diesjährigen Tag der Industriekommunikation des Bundesverbandes Industriekommunikation (bvik) am 29.9. als Redner auftreten. 

Hier geht es zur Anmeldung

Das komplette Programm ist hier abrufbar: www.bvik.org/tik-2021/programm/ 

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