Digitalisierung in der Fertigung: Comarch forscht am RWTH

Digitalisierung der Fertigung

Comarch forscht am RWTH Aachen Campus

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Seit Jahresbeginn forscht Comarch in der Demofabrik im Cluster Smart Logistik auf dem RWTH Aachen Campus. Ziel ist die Gestaltung eines durchgängigen Internets of Production (IoP) für KMU.

Philipp Erdkönig
Strategisches Produktmanagement,
Comarch, München

In der Demofabrik wird das IoP in realer Vorserien- und Serienproduktion bereits umgesetzt, zum Beispiel beim Elektroautomobil e.GO life, welches als elektronisches Fahrzeug der Zukunft komplett auf dem RWTH Aachen Campus entstand und zuletzt für großes Aufsehen in den Medien sorgte. Mit einem „digitalen Schatten“ aller relevanten Daten wird die Produktion vollständig digitalisiert über den ganzen Prozess abgebildet. Voraussage-Methoden wie KI, Industrie 4.0 und Big Data werden praktisch realisiert und breit verfügbar gemacht. Eine vollständig autonome Produktion, die selbst alles entscheiden kann, gibt es zwar de facto noch nicht. Jedoch soll sie mit diesen Forschungsprojekten einen Schritt näher rücken.

Comarch entwickelt derzeit zwei Projekte rund um die Demonstrationsfabrik: Im Centerprojekt RTLS 3.0 wird das Comarch ERP-System mit einem Real-Time-Location-System (RTLS) so gekoppelt, dass Sensordaten Rückmeldeinformationen im ERP-System erzeugen. Zudem gibt es ein zweites Projekt zu Future Logistics mit Location based Services.

ERP berührungslos bedienen

Im Rahmen des Gedankens von Industrie 4.0 ist die automatische Erfassung von Daten ein essenzieller Aspekt zur Optimierung der Fertigungsprozesse. Nachdem Comarch vor sechs Monaten in die Anwendungsforschung des FIR an der RWTH Aachen eingestiegen ist, konnte man dort mittlerweile einen durchgängig einsatzfähigen Prototypen kreieren.

Über Smart Devices, beispielsweise einen Dash-Button oder eine Primate-Camera mit Bildanalyse, wird die Produktionslinie „smart gemacht“ und via IoT-Plattform an Comarch ERP angebunden. Berührungslos wird der Prozess dank der Kopplung des Real-Time-Location-Systems (RTLS) mit dem ERP-System. Überdies werden logische Zonen für die jeweiligen Arbeitsplätze definiert. Dies ermöglicht ein umfassendes Tracking auf einem Dashboard für den Betriebsverantwortlichen sowie intuitive Oberflächen für die Produktionsmitarbeiter, welche umgehend auf Fehler hingewiesen werden. Auf einer Videowand wird Einblick in das aktuelle Geschehen an der Produktionslinie gewährt. So können Mitarbeiter und Aufträge jederzeit lokalisiert werden. Eine Visualisierung des Planzeit-vs-Ist-Zeit-Vergleichs ermöglicht es dem Schichtleiter stets, die Performance im Blick zu behalten. Auch die Mitarbeiter erhalten Hinweise, zum Beispiel im Rahmen der auf Bildanalyse basierenden Qualitätskontrolle oder bei der Entnahme eines falschen Bauteils. Dadurch können Fehler im Prozess und teure Rückrufaktionen vermieden werden.

Alle Prozesse im Blick

Einen Innovationsschub erhält die Fertigung aus dem Einzelhandel, wo Comarch mit Personalisierungsprojekten über IoT bereits Erfahrungen sammeln konnte. Inspiriert vom Einsatz im Einzelhandel ist auch das Asset Tracking mit den kleinen Bluetooth-Sendern Comarch Beacons. Mit ihnen ist die lückenlose Nachverfolgung von Bauteilen auf deutlich kostengünstigere Weise möglich als mit etablierten Systemen. Dafür kann der ganze Produktionsbereich in Zonen eingeteilt und mit kleinen Bluetooth-Empfangsantennen nachgerüstet werden. Auf der Suche nach einem bestimmten Material genügt der Blick auf die entsprechende App. Eine optische Markierung mit einer Lampe im Regal, die dann angeht, ist ebenfalls denkbar. Die Technologie ist sowohl indoor als auch outdoor einsetzbar und bewährt sich bereits in zahlreichen Kaufhäusern, wo Comarch Location Based Services mit der entsprechenden Technologie etabliert hat. Dieses Forschungsprojekt mit zehn Schnittstellen zur IoT-Plattform (Hubs) und 30 Bluetooth-Sendern (Beacons) erfolgt im Auftrag des E-Go-Car-Herstellers, der den Einsatz in seiner Serien- und Vorserienproduktion plant.

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