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Maschinenbau weltweit weiter im Aufwärtstrend

Studie
Maschinenbau weltweit weiter im Aufwärtstrend

Der Maschinenbau hat sich nach der Stagnation 2013 weltweit erholt. Im Jahr 2014 lag der globale Umsatz bei 2,3 Billionen Euro. Dies ist ein Ergebnis der diesjährigen Maschinenbaustudie der Unternehmensberatung Alix Partners. Die Autoren rechnen in den kommenden Jahren mit weiterem Wachstum – auch in Deutschland.

Quelle: Alix Partners

Die Lage für den deutschen Maschinenbau ist nach wie vor komfortabel. Trotz Unsicherheiten, wie der Ukraine-Krise und den Folgen eines möglicherweise überhitzten chinesischen Marktes, erwartet Alix Partners in diesem Jahr für Deutschland ein zweiprozentiges Wachstum für verkaufte Maschinen. Unter den Herstellern liegt in der jüngsten Statistik Deutschland wieder weltweit auf Platz 3 (nach Platz 4 im Vorjahr). Bislang unangefochten ist indes der Platz des „Exportweltmeisters“, was die Unternehmensberatung mit Sitz in München vor allem auf führende Technologien, Innovationsoffensiven, starke Marken und den stetigen Ausbau des Serviceangebots zurückführt. Risiken liegen für den deutschen Maschinenbau in einem steigenden Wettbewerb – vor allem durch chinesische Maschinenbauer. Diese sind bereits die größten Produzenten weltweit und stellen mittlerweile fast ein Zehntel der 2000 weltweit größten Maschinenbau-Unternehmen.
Schwacher Euro birgt Chancen
Aufgrund des schwachen Euro erwartet Alix Partners für den deutschen Maschinenbau einen starken Wettbewerbs- und Profitabilitätsimpuls. Wer diese Vorteile nutzt, könne seine Marktstellung als Technologieführer halten und weiter ausbauen sowie den zunehmenden Wettbewerbsdruck, vor allem aus China, zumindest zeitweise aufhalten.
Auch gegenüber der Schweiz entstehen Vorteile. „Deutsche Hersteller sind gegenüber dem Schweizer Maschinenbau heute deutlich wettbewerbsfähiger. Der Wechselkurs zwischen Euro und Franken führt dazu, dass die Schweizer bei einem Verkauf in die Euro-Zone im Vergleich zur Vergangenheit etwa 20 Prozent weniger Umsatz machen. Das wirkt sich selbstredend direkt auf die Profitabilität aus“, erklärt Dr. Dierk Buss, Director und Mitglied der Geschäftsleitung bei Alix Partners.
Inwieweit der schwache Euro-Kurs auch im US-Dollar-Raum zu einem Wettbewerbs- und Profitabilitätsimpuls führe, hänge vor allem vom Grad des finanziellen Hedgings ab, sagt Buss: „Unternehmen, die stark auf natürliches Hedging gesetzt und ihre Produktion in den US-Dollar-Raum verlagert haben, profitieren jetzt weniger vom aktuellen Wechselkurs.“
Letztendlich bringt der schwache Euro einen Zeitvorteil vor der weiter erstarkenden Konkurrenz, etwa aus China. „Die Zeit des schwachen Euro müssen Unternehmen nutzen, um ihre führende Technologieposition zu halten oder auszubauen. Wer sich nun zurücklehnt, den könnte in einigen Monaten oder Jahren die starke asiatische Konkurrenz böse überraschen“, warnt Buss.
Marktwachstum im hohen und mittleren Technologiesegment
Marktwachstum erwarten die Autoren der Studie vor allem im hohen und mittleren Technologiesegment. Das untere Segment werde weltweit weiter an Bedeutung verlieren: „Nachgefragt sind künftig vor allem qualitativ hochwertige Maschinen“, sagt Patrick Widmaier, Maschinenbauexperte bei Alix Partners. Daher gelte es, derzeitige Profitabilitätsvorteile zu nutzen, um die starke Marktposition zu behaupten und auszubauen. Zusätzliche Gewinne sollten deutsche Maschinenhersteller nicht im Preiswettbewerb mit (vor allem chinesischen) Produzenten an ihre Kunden weitergeben. Vielmehr sollte man verstärkt in Produktinnovationen und Fertigungstechnologien investieren. „Wer komplette Produktlösungen anbietet, wird die Wachstumsmärkte in Asien weiter durchdringen können. Dazu gehört, mehrere Produkte zu Verbundsystemen zu kombinieren und Aftersales Services anzubieten, also Ersatzteile-Management und Beratungsdienstleistungen“, erläutert Widmaier. Bereits jetzt veränderten Hersteller die Zusammensetzung ihrer Produktportfolios. Bis 2020 erwartet die Unternehmensberatung ein Absinken des Marktanteils originärer Produktlösungen auf 45 %. „Der Anteil von Komplettlösungen und Dienstleistungen“, so Widmaier, „dürfte dagegen in den nächsten fünf Jahren auf knapp 30 Prozent steigen“.
Neue Chancen durch Industrie 4.0
Neue Chancen bieten sich dem Maschinenbau durch die gezielte Adaption digitaler Technologien entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Verknüpfung von Datenquellen und deren Analyse kann dazu führen, zum Beispiel Instandhaltungskosten, Energiekosten oder Ausschuss zu reduzieren. Harmonisierte Steuerungssoftware ermöglicht die direkte Kommunikation von Maschinen und Produkten. So lassen sich Produktionsprozesse wesentlich flexibler gestalten, und Hersteller können sehr passgenau auf kurzfristige Nachfrageschwankungen oder auf Änderungen in vor- und nachgelagerten Prozessschritten reagieren. Maßgeschneidert konfigurierte Produkte tragen zudem dazu bei, das Aftersales-Geschäft weiter ausbauen und optimieren zu können.
„Auf dieser Basis können sich grundlegend neue Geschäftsmodelle entwickeln. Industrie 4.0 kann als entscheidender Faktor dazu beitragen, die führende Wettbewerbsposition des deutschen Maschinenbaus zu halten“, sagt Andreas Rüter, Deutschland-Chef von Alix Partners. „Auf der Hannover-Messe war die Aufbruchsstimmung deutlich zu spüren. Die Konzepte allerdings haben zum Teil noch eher visionären Charakter. Der Beleg, dass sie zu messbaren Umsatz- und Kostenverbesserungseffekten führen, muss erst noch erbracht werden.“
Investitionen in Maschinenbau steigen
Der M&A-Markt im Industriegüter-Umfeld ist 2014 um 42 % auf weltweit 127 Mrd. US-Dollar gestiegen. Davon entfallen auf den Industriezweig Maschinenbau rund 40 %. Zu zwei Dritteln handelt es sich dabei um strategische Akquisitionen. „Hauptmotiv der europäischen Maschinenbauer für die Konsolidierung ist, gemeinsam die Marktposition zu stärken, Skaleneffekte zu nutzen sowie in Wachstumsmärke einzutreten. Die Unternehmen in den Schwellenländern möchten sich hingegen vor allem Know-how einkaufen und ihre Internationalisierung vorantreiben“, so Dr. Stefan Ohl, Managing Director und Experte für Unternehmensintegrationen bei Alix Partners. Ein Drittel der Transaktionen tätigen Finanzinvestoren. „Diese sind natürlich ebenfalls sehr motiviert, am attraktiven Maschinenbaumarkt zu partizipieren“, so Ohl. Bis 2020 soll der weltweite Umsatz im Maschinenbau von heute 2,3 Billionen auf mehr als 2,7 Billionen Euro wachsen. (bö) •
Industrieanzeiger
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