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„Jederzeit und überall aktuelle Informationen“

Dr. Jochen Kress, Mitglied der Mapal-Geschäftsleitung, über das Datenmanagementsystem C-Com
„Jederzeit und überall aktuelle Informationen“

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Eine vernetzte Fertigung setzt effizient verwaltete Daten voraus. Mapal (Halle 1, Stand D12) stellt auf der AMB ein Datenmanagement für C-Teile vor. Was es damit auf sich hat, erläutert Dr. Jochen Kress, Mitglied der Geschäftsleitung beim Aalener Präzisionswerkzeug-Hersteller. ❧ Mona Willrett

Herr Dr. Kress, auf der AMB stellen Sie das Datenmanagementsystem C-Com vor. Was hat Sie zu dessen Entwicklung motiviert?

Der Beschaffungs- und Verwaltungsaufwand für C-Teile ist – im Vergleich zum Einkaufsvolumen – sehr hoch. Die Stamm-, Bestands- und Prozessdaten von Werkzeugen existieren ja bereits. Aber die verschiedenen Akteure arbeiten jeweils mit eigenen Datenbanken. Die Informationen müssen mehrfach angelegt und verwaltet werden. Das ist unnötiger Aufwand, und es birgt das Risiko, dass mit unterschiedlichen Datenständen gearbeitet wird. Deshalb haben wir eine offene, cloud-basierte Plattform entwickelt, mit deren Hilfe Lieferanten und Nutzer – auf Basis klar definierter Regeln und Zugriffsrechte – alle relevanten Werkzeugdaten ablegen, pflegen und teilen können.
Was bietet das System?
Der Verwaltungsaufwand endet gerade bei anspruchsvollen Werkzeugen nicht mit der Beschaffung. Die Werkzeuge müssen eingestellt, zur Maschine gebracht, überwacht, gewartet, instandgesetzt und gelagert werden. Für all diese Tätigkeiten werden Daten benötigt, deren Verwaltung und Pflege bislang extrem aufwändig ist. C-Com bietet nun allen Beteiligten die Möglichkeit, jederzeit und von allen Standorten aus auf die jeweils aktuellen Daten zugreifen.
Geht es dabei nur darum, Daten bereit zu stellen, oder ist etwa auch Prozessoptimierung ein Thema?
Wir haben viele Ideen, wofür man mit diese Daten nutzen könnte. Das reicht von der NC-Programmierung über die Prozessoptimierung bis hin zum Überwachen und Steuern von Prozessen. Aber um das zu realisieren, ist der Aufwand derzeit noch größer als der Nutzen. Viele Kunden stehen noch eher am Beginn des Weges hin zur vernetzten Fertigung. Deshalb beschränken wir uns im ersten Schritt darauf, aktuelle Daten schnell und einfach bereitzustellen. Wir nennen das ‚voraussetzungslose Digitalisierung‘. Aber selbst diese Basis-Version bietet dem Anwender bereits einiges an Zusatznutzen.
Können Sie Beispiele dafür nennen?
Abgesehen von der erheblich gesteigerten Effizienz in allen Fragen der Beschaffung, des Einsatzes und der Wartung von Werkzeugen, könnte der Nutzer beispielsweise recht einfach erkennen, wenn ein Fräser in verschiedenen Werken bei der gleichen Bearbeitung unterschiedliche Standzeiten erreicht. Oder auch die Standzeiten der Werkzeuge nach dem Nachschärfen bei verschiedenen Dienstleistern wären transparent. So kann C-Com dem Nutzer helfen, seine Prozesse zu optimieren oder die idealen Partner entlang der Wertschöpfungskette zu finden.
Übernimmt das System die Daten automatisch?
Technisch wäre das durchaus machbar. Bis hierfür aber flächendeckend bei allen potenziellen Anwendern die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen sind, dürften noch einige Jahre vergehen. Deshalb setzen wir derzeit auf händische Datenergänzung. Aber diese Eingaben müssen nur einmal erfolgen und stehen dann allen Nutzern immer und überall aktuell zur Verfügung.
Wie gewährleisten Sie die Sicherheit der Daten?
Wir nutzen die aktuellen technischen Möglichkeiten, um die Datensicherheit zu gewährleisten. Außerdem gibt es für den Abruf von Informationen genau definierte Regeln und Rechte. Unsere Philosophie heißt: Wer die Maschine hat, auf der die Werkzeuge eingesetzt werden, dem gehören die Daten und der bestimmt, wer sie sehen und nutzen darf. Unter unseren Pilotanwendern gibt es diesbezüglich ganz unterschiedliche Einstellungen. Einige können sich vorstellen, sämtliche Daten freizugeben. Ihr Hintergedanke: Wenn ich neuen Ausrüstern oder Partnern meine Situation zeige, haben sie die Möglichkeit, mir Verbesserungen vorzuschlagen. Andere halten ihre Daten nach wie vor unter Verschluss und wollen unser System lediglich intern nutzen. Grundsätzlich erkenne ich hier aber einen Trend zu größerer Offenheit. Meine Meinung ist: Wir sollten nicht aus Übervorsicht heraus die Chancen verspielen, die uns die Vernetzung bietet..
An welche Zielgruppe ist C-Com gerichtet?
Zunächst richtet sich unser Angebot vor allem an Tier2- und Tier3-Zulieferer. Größere Unternehmen haben vielfach bereits eigene Strukturen und Systeme für die Datenverwaltung. Aber kleineren Betrieben hilft C-Com, die Effizienz erheblich zu steigern.
Ab wann ist C-Com für Kunden verfügbar?
Zur AMB stellen wir eine Beta-Version vor und zeigen die Möglichkeiten. Ein verkaufsfähiges Produkt werden wir im zweiten oder dritten Quartal 2017 anbieten können.
Haben Sie bereits praktische Erfahrungen mit dem System?
Ja. Wir testen C-Com im eigenen Unternehmen und auch bei ausgewählten Kunden. Die Rückmeldungen bisher sind sehr ermutigend. Die Entwicklung eines solchen Produkts erfolgt sinnvoller Weise in einer engen Kooperation mit wenigen Partnern. Mittlerweile sind wir aber offen, falls andere Kunden ebenfalls interessiert sind. Je mehr Rückmeldungen wir erhalten, umso besser.
Werden Sie das System als Kaufsoftware anbieten oder über eine Art Mietmodell?
Das ist noch nicht abschließend geklärt. Da es sich aber um eine Cloud-Lösung handelt, wird es auf ein Bezahlmodell über pay per use oder pay per click hinauslaufen.
Ist C-Com eine Mapal-Entwicklung?
Wir haben das System in Kooperation mit SAP auf der S4Hana-Cloud-Lösung entwickelt.
Wer betreibt und pflegt das System?
Das macht zunächst Mapal. Dass das Kind einen eigenen Namen hat, deutet aber bereits an: Wenn das Produkt eine entsprechende Dynamik entwickelt, die das rechtfertigt, könnten Pflege, Weiterentwicklung und Vermarktung von C-Com in ein rechtlich eigenständiges Unternehmen ausgelagert werden.
Ein Problem von Industrie-4.0-Lösungen ist die fehlende Kompatibilität einzelner Module. Sind hier nicht Standards gefragt?
Ich bin ein großer Fan von Standards, aber hier erleben wir derzeit eine Art Gründerzeit-Stimmung. Da steckt noch viel Bewegung drin. Die Entwicklung ist so schnell, dass im Moment noch keiner sagen kann, welche Lösung schlussendlich die beste ist. Deshalb meine ich: Wir sollten uns einfach auf den Weg machen und herausfinden, was funktioniert. Und wenn wir das wissen, dann sollten wir uns über Standards unterhalten.
Es gibt mittlerweile offene Plattformen, die künftig wie ein App-Store Lösungen für alle Aufgaben in Fertigungsbetrieben bieten sollen. Die Trumpf-Tochter Axoom ist ein Beispiel. Wird es C-Com künftig auch als App für solche Plattformen geben?
Vieles ist für die Zukunft vorstellbar. Auch wenn wir nicht aktiv daran arbeiten, so schließe ich das sicher nicht aus. Die Zahl der Player in diesem Bereich ist überschaubar, und es ist naheliegend, dass man sich unterhält und austauscht.
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