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WZL: So meistert der Mittelstand den digitalen Wandel

Schritt für Schritt zu Industrie 4.0
So meistern KMU den digitalen Wandel

Ein am WZL der RWTH entwickeltes Leitkonzept befähigt Mitarbeiter und regt sie dazu an, die Implementierung von Industrie 4.0 im eigenen Unternehmen aktiv mitzugestalten.

Prof. Dr. Günther Schuh, Andreas Gützlaff, Julian Ays, Matthias Schmidhuber, Tino Schlosser ,
Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen
Prof. Dr. Thomas Mühlbradt, Dr. Helga Unger,
MTM Association e. V., Aachen

Die Bewältigung der digitalen Transformation stellt für viele Unternehmen eine große Herausforderung dar. Insbesondere sehen sich hiervon kleine und mittlere Unternehmen (KMU) gefordert, die durch geringe Vernetzung mit technologischen Partnern sowie generelle Ressourcenbeschränkungen einem vermeintlich eingeschränkten Handlungsspielraum gegenüberstehen. Hinter Begriffen wie „Industrie 4.0“ stehen aber nicht nur hypermoderne, vollautomatisierte Fabriken, sondern vielmehr eine Kollaboration zwischen Mensch und Maschine, die auch mit einfachen Mitteln umgesetzt werden kann.

WZL und MTM Assiciation entwickeln Leitkonzept für produzierende KMU

Mehr als drei Jahre forschten Wissenschaftler des WZL der RWTH Aachen intensiv und praxisnah im Projekt „Betriebe und Beschäftigte gestalten die digitale Transformation (KMU 4.0)“. In enger Kooperation mit dem MTM Association e. V. ist ein Leitkonzept für produzierende KMU entstanden, das dazu beitragen soll, deren Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern. Gefördert wurde das Projekt durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) im Rahmen der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA).

Das entwickelte Konzept adressiert auf strategischer, taktischer und operativer Ebene mit unterschiedlichen Methoden gezielt die Herausforderung von KMU in der digitalen Transformation. Operative Leuchtturmprojekte geben erste gezielte Ansatzpunkte zum leichten Einstieg in die Digitalisierung. Gezielte taktische Mitarbeiterqualifizierungen ebnen den weiteren Weg und vielseitige Kooperationen sichern eine nachhaltige Innovationsfähigkeit.

Handlungsfeld betriebliche Lernprojekte

Das erste zentrale Handlungsfeld des Leitkonzepts stellt die Durchführung von so genannten betrieblichen Lernprojekten dar, die als Leuchtturmprojekte erste Erfahrungen in Bereichen der Digitalisierung hervorbringen und Potenziale identifizieren. Konkret beschreiben sie die Kombination klassischer Innovations- bzw. Verbesserungsprojekte mit Ansätzen des „problem based learning“. Dabei liegt der Hauptfokus nicht allein darauf, Projektziele zu erreichen. Vielmehr sollen die Mitarbeitenden für digitale Veränderungsprozesse weiterentwickelt und sensibilisiert werden.

Die Projekte resultieren aus einem konkreten Verbesserungsbedarf des Unternehmens – häufig direkt aus Vorschlägen der Belegschaft. Dies fördert die Verbundenheit zu dem Projekt und hilft, erste Hürden der Veränderung zu nehmen. Wichtig ist dabei, dass die Mitarbeitenden über alle Projektphasen hinweg involviert sind. Auftretende Ressourcenengpässe hinsichtlich Technologien, Wissen, etc. sollten dabei nicht nur temporär zugekauft, sondern vielmehr durch gezielte Qualifizierungen und Kooperationen im Betrieb aufgebaut werden, um einen nachhaltigen Mehrwert zu erzeugen.

Handlungsfeld Qualifizierung

Hier schließt das zweite Handlungsfeld nahtlos an. Mitarbeitende werden auf die kommenden Veränderungen vorbereitet und die Innovationsfähigkeit jedes Einzelnen wird gezielt gesteigert, um die Ideenfindung für neue Digitalisierungsprojekte in allen Bereichen des Unternehmens voranzutreiben. Qualifizierung lässt sich vielfältig realisieren. Die zwei folgenden Beispiele aus dem Forschungsprojekt zeigen, wie diese angestoßen werden kann. Unter dem Motto „Fit für die Digitalisierung“ wurden frühzeitig im Veränderungsprozess Basiskompetenzen vermittelt und die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Digitalisierung gefördert – ohne die Risiken auszuklammern. Dabei wurden konkrete Arbeitsprozesse der Beschäftigten analysiert und Vorschläge erarbeitet, inwieweit durch den Einsatz digitaler Technologien Arbeit erleichtert und Effizienz gesteigert werden kann. Gemeinsam mit Führungsverantwortlichen wurden diese Vorschläge im Workshop diskutiert und draus resultierende Maßnahmen fixiert.

Dass am Beispiel der neuen Technologien gelernt werden und Veränderungen im Unternehmen angestoßen werden können, zeigt das zweite Beispiel des im Forschungsprojekt entwickelten Lernspiels. Dazu wurde die digitale Unterstützung der Auftragssteuerung in der manuellen Montage simuliert Die Teilnehmer haben reale Montageaufgaben zu bewältigen und erfahren sozusagen am eigenen Leib, dass es bereits einen großen Unterschied macht, ob Informationen in Papierform zur Planung bereitliegen oder alternativ visualisiert und laufend aktualisiert in digitaler Form aufbereitet sind – die Wartezeiten an den einzelnen Montagestationen konnten über das digitale Medium deutlich reduziert werden.

Handlungsfeld Kooperationen

Neben betrieblichen Lernprojekten und Qualifizierungen sichert das dritte Handlungsfeld – Kooperationen – zusätzlich eine langfristige Innovationsfähigkeit für KMU. Das Forschungsprojekt an sich ist hierbei z.B. ein erfolgreiches Beispiel für eine beiderseits fruchtbare Kooperation zwischen Wissenschaftseinrichtungen und KMU. Gemeinsam wurden neue praxisnahe Ansätze zur Personal- und Technikentwicklung im Rahmen der Digitalisierung entwickelt und umgesetzt. Neben solchen gemeinsam durchgeführten Projekten gibt es beispielsweise auch Möglichkeiten, Abschlussarbeiten im eigenen Unternehmen mit zu betreuen, was gleichzeitig ein Rekrutierungsfeld bietet, oder sich als Unternehmen an der Hochschule zu immatrikulieren und so eine institutionelle F&E-Kooperation einzugehen.

Über die derzeit an einigen Hochschulen angesiedelten 4.0 Kompetenzzentren können Informationen und Beratungen – zumeist sogar kostenfrei – eingeholt werden. Besichtigungen der an mehreren technischen Hochschulen aufgebauten Modellfabriken bieten weitere Anregungen. Erfolgreiche und langfristige Kooperationen zwischen Unternehmen und Wissenschaft sind absolut kein Privileg nur von Großunternehmen, sondern können ebenso für KMU wichtiger, ressourcenschonender Baustein für Innovation, Rekrutierung und Imagepflege sein.

Engagement in allen drei Handlungsfeldern bringt KMU zielgerichtet digital voran

Nur ein Engagement in allen drei Handlungsfeldern bringt KMU zielgerichtet in der digitalen Transformation voran. Die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen zielgerichtet qualifiziert werden und dann in betrieblichen Lernprojekten erste Erfolge, aber auch Misserfolge für das Unternehmen erzielen und jeweils darauf aufbauend weiter lernen. Das Leitkonzept ermöglicht, dass Mitarbeiter befähigt und angeregt werden, die Implementierung von Industrie 4.0 im eigenen Unternehmen aktiv mitzugestalten.

Detaillierte Beschreibungen zu den Projekten und den Erfahrungen der Unternehmen finden sich auf der Internetseite des Forschungsprojekts (www.kmu-4-0.rwth-aachen.de).

Kontakt:

WZL der RWTH Aachen
Campus-Boulevard 30
52074 Aachen
Tel. +49 241 8027400
www.wzl.rwth-aachen.de

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