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Shutdown der Autoindustrie bedroht Existenz deutscher Zulieferer

ArGeZ: Kredite sind keine Perspektive
Shutdown der Autoindustrie bedroht Existenz deutscher Zulieferer

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Die Bundesregierung soll dazu bereit sein, auch Zulieferbetrieben Zuschüsse zu gewähren, fordert die Branche. Bild: Hella
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Für die Automobilzulieferbranche in Deutschland sind die Werksschließungen von VW, BMW, Daimler und anderen Automobilherstellern angesichts der dramatischen Pandemie nachvollziehbar. „Die vielen Zulieferbetriebe dürfen aber nicht vor dem Aus stehen“, appelliert Christian Vietmeyer an das Zusammenstehen in der Stunde der Not. Für den Sprecher der ArGeZ, einem Bündnis der Zulieferunternehmen Deutschlands und ihrer Wirtschaftsverbände, darf „ein radikaler Abriss der Lieferketten nicht stattfinden“.

Warenannahme bis mindestens 27. März 2020 gefordert

Konkret erwartet die Branche von den Abnehmern in der Wertschöpfungskette laut Vietmeyer, dass diese die Waren noch bis mindestens 27. März 2020 annehmen, denn nur dann gelinge ein abgestimmter und gemeinsamer Neustart der Produktion – auch in der Zulieferkette. Die ArGeZ geht davon aus, dass sich durch Lieferverzögerungen ein Wiederhochfahren der Produktion bis Anfang Mai ziehen kann, da Waren, die noch in China sind, in den europäischen Häfen kaum vorher angekommen sein werden. Daher rechnen die Zulieferer mit einer notwendigen Produktionsunterbrechung bis zum 20. April 2020. Vietmeyer: „Wir erwarten von den Automobilherstellern eine klare Kommunikation zum Produktionsstopp und zur weiteren Planung.“

Zugesagte KfW-Kreditprogramme noch nicht ausreichend

Die zu erwartende mehrwöchige Produktionsunterbrechung werde bei einem Großteil der Zulieferunternehmen zu Liquiditätsengpässen führen, heißt es. Die derzeit von der Bundesregierung über die KfW zugesagten Kreditprogramme wären noch nicht ausreichend. „Für viele Unternehmen sind Kredite keine Perspektive, insbesondere mit Blick auf die Zeit nach der Krise brauchen sie jetzt vielmehr deutliche Unterstützungen des Eigenkapitals“, so Vietmeyer weiter. Die Bundesregierung müsse dazu bereit sein, auch Zulieferbetrieben Zuschüsse zu gewähren. Zudem müssten die Regeln der EZB und der Bafin an die besonderen Gegebenheiten zeitlich befristet angepasst werden, so dass die Banken nicht die üblichen Sicherheiten hinterlegen müssten. Ansonsten würden nicht alle Unternehmen von ihren Hausbanken einen Kredit erhalten.

Kurzarbeit für mindestens 24 Monate erforderlich

Bereits seit etwa einem Jahr befindet sich die Industrie in einer Rezessionsphase, die zu Kurzarbeit geführt hat. In der gegebenen Situation hält der ArGeZ-Sprecher eine sofortige Ausweitung der Dauer von Kurzarbeit auf 24 Monate für dringend erforderlich.

Neben einer Beschäftigungssicherung durch eine Vereinfachung der Kurzarbeiterregelungen würden die Unternehmen in der aktuellen Situation auch kurzfristige Arbeitszeitflexibilisierungen benötigen. Ein erhöhter Infektionsschutz mit Mindestabstandsregelungen und Umstellungen in den Fertigungsprozessen erforderten eine kurzzeitige Flexibilisierung der Arbeitszeitbegrenzungen. Hier sei eine pragmatische Handhabung durch die jeweiligen Bezirksregierungen unverzichtbar.

Ausgangssperren nur mit Augenmaß und unter Erreichbarkeit der Unternehmen

Ebenso entscheidend ist seiner Meinung nach der Erhalt der Bewegungsfreiheiten für Unternehmen und Mitarbeiter. Einschränkungen, wie etwa Ausgangssperren, dürften nur mit Augenmaß und unter Erreichbarkeit der Unternehmen erlassen werden. Gleiches gelte für den freien Warenverkehr. Die Just-in-time-Produktion setze funktionierende Transportströme innerhalb Europas voraus. Aber auch transkontinentale Logistik müsse möglich bleiben. Logistische Unterbrechungen in der Lieferkette – etwa von Vorlieferanten nach Deutschland – müssen laut ArGeZ auf ein Minimum beschränkt werden. Ein disruptiver Stopp mit nachfolgendem Wiederanlauf würde zu langfristigen Stillständen in der deutschen Zulieferindustrie führen. Rohstoffe und Güter wären nach jetzigem Erkenntnisstand kein Überträger des Corona-Virus.

Vietmeyer: „Der aktuelle Shutdown der Automobilindustrie bedroht die deutsche Zulieferindustrie und ihre Beschäftigten in ihrer Existenz. Deshalb sind jetzt passgenaue Finanzierungshilfen und hoch flexible Regelungen im Arbeitsrecht dringend notwendig ebenso wie der partnerschaftliche Umgang in der Zulieferkette.

Kontakt:

WSM Wirtschaftsverband Stahl-

und Metallverarbeitung e.V.

Uerdinger Straße 58 – 62

40474 Düsseldorf

Tel. +49 211 95 7868 20

www.wsm-net.de

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