Digitalisierung: Neue Geschäftsmodelle für die digitale Transformation

Digitalisierung

Neue Geschäftsmodelle für die digitale Transformation

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Im Rahmen des Förderschwerpunkts Mittelstand-Digital finden kleine und mittlere Unternehmen Antworten auf Fragen zur digitalen Transformation. Praxisbeispiele zeigen, wie neue Geschäftsmodelle gelingen.

Dr. Franz Büllingen, Leiter der Begleitforschung Mittelstand-Digital, Bad Honnef

Die digitale Transformation ist wohl keinem mehr ein Fremdwort. Produzierende Unternehmen können mit neuen Geschäftsmodellen von zahlreichen Vorteilen profitieren: ob nun neue, verbesserte Produkte oder Dienstleistungen, ein größerer Kundenstamm oder neue Wachstumsfelder und Erlösquellen. Und jeder weiß auch: Je früher ein Unternehmen damit anfängt, desto besser. Denn die Kunden verlangen zunehmend nach digitalen Angeboten – und gewinnen dank der Digitalisierung immer mehr an Einfluss auf den Markt. Diese neue Stellung ändert auch ihre Ansprüche: Heute erwarten Kunden höhere Qualität. Sie bevorzugen individuellere Produkte, meist zum Preis von Massenware – wissend, dass dies mithilfe moderner Produktionsprozesse technisch machbar ist. Sie wollen ihre Ware schnellstmöglich und sind durch Online-Versandhändler gewöhnt, das Bestellte innerhalb von 24 Stunden geliefert zu bekommen. Sie stellen hohe Erwartungen, die auch nach dem Kauf erfüllt werden wollen – verwöhnt durch Vorreiterunternehmen, die großzügige Rücknahmen oder kostenlose Updates gewähren.

Kunden fordern Losgröße Eins

Damit wird von Anbietern mehr Aufmerksamkeit und Flexibilität gefordert. Wer hier wettbewerbsfähig bleiben möchte, sollte sein Geschäftsmodell auf den Kunden ausrichten. Ein klassisches Beispiel hierfür sind Produkte der Losgröße Eins. Das sind Waren, die nach den individuellen Wünschen der Kunden zum Preis der Massenfertigung hergestellt werden. Die direkte Verbindung mit dem Kunden erfolgt etwa über Onlineplattformen, wie das Beispiel E-Machine-Shop zeigt. Über dessen Plattform können Kunden ihre mechanischen Komponenten selbst entwerfen und sich liefern lassen. Auch Partnerbetriebe sind an die Plattform angeschlossen. Sollte ein Kunde also einen ausgefallenen Sonderwunsch hegen, den die eigene Produktion nicht leisten kann, springen die spezialisierten Partner ein und übernehmen den Auftrag.

In der intelligenten Fabrik lässt sich die Produktion außerdem per App steuern und überwachen. Betriebe können sich so freie Kapazitäten anzeigen lassen und sie an andere Unternehmen vermieten, die Bedarf haben. So münzen sie Leerlauf in Gewinn um.

Mittelstand-Digital unterstützt KMU bei digitaler Transformation

Unterstützung bei Fragstellungen zur digitalen Transformation für klein- und mittelständische Unternehmen und Handwerksbetriebe bietet der Förderschwerpunkt Mittelstand-Digital des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). (Wir berichteten in Ausgabe 19/16.) Zum Thema „Digitale Geschäftsmodelle“ hat Mittelstand-Digital erfolgreiche Anwendungsbeispiele aus der Praxis zusammengestellt. So hat Oerlikon Manmade Fibers, ein Hersteller von Maschinen und Anlagen für die Chemiefaser- und Vliesstoffproduktion, gemeinsam mit seinen Mitarbeitern ein neues Geschäftsmodell für das digitale Zeitalter entwickelt. Das Unternehmen bietet seinen Kunden nun Fernwartung mithilfe einer Augmented-Reality- (AR) Brille an. Dabei geht der Kunde mit der Brille durch die Anlage. Per Remote Access wird der Ingenieur zugeschaltet, kann auf die Anlagensteuerung zugreifen und so Fehler beheben.

Augmented Reality reduziert Planungsfehler

Auch der Handwerksbetrieb Meister Tischler setzt auf die virtuelle Technik: Die Tischler wollten Planungsfehler reduzieren, die aus unklaren Größenverhältnissen in 3D-Konstruktionen am PC resultieren. Von einem Partner ließen die Dresdener eine AR-Software entwickeln. Mithilfe der AR-Brille erhalten Kunden, Planer und Konstrukteure nun denselben Einblick in alle fertigungsrelevanten Details.

Mit den technischen Neuerungen gehen viele Fragen zu den Technologien selbst, zu rechtlichen Aspekten oder zur IT-Sicherheit einher. Zudem verändern sich mit der digitalen Transformation die Aufgaben der Angestellten und die Anforderungen an sie. Die Nachfrage nach Qualifizierungsangeboten wächst. Erfahrene Angestellte müssen künftig regelmäßig für die neuen Anwendungen geschult und die Ausbildungskonzepte für den Nachwuchs an den technologischen Fortschritt angepasst werden. Demnach müssten sich Geschäftsmodelle lohnen, die sich mit Qualifizierungsangeboten wie Webinaren, Workshops oder Vor-Ort-Schulungen in Stellung bringen. Auch der Datensektor steckt voller Potenzial: Das Sammeln, Speichern und Verkaufen von Daten ist längst zu einem eigenen Markt geworden. Aber um einen wirklichen Mehrwert aus den Datenbeständen zu ziehen, braucht es Analyse- und Interpretationsverfahren.

Automatisierte CNC-Programmierung

Aber der Weg lohnt sich, wie auch das Beispiel des Mittelständlers Munsch Chemiepumpen zeigt. Das Unternehmen aus dem Westerwald stellt kundenindividuell Kunststoff-Chemiepumpen her, die etwa bei der Reinigung von Rauchgas und belasteten Abwässern genutzt werden. Dafür wurde früher zuerst eine Zeichnung erstellt und das Maschinenprogramm für eine individuelle Produktkomponente manuell programmiert, um die einzelnen Komponenten anfertigen zu können. Dieser Prozess erforderte durch Fehler in der Programmierung aber häufig Nachbesserungen. Zusammen mit dem Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum Darmstadt hat die Firma den Produkt-Konfigurator direkt mit den Fertigungsmaschinen vernetzt. Die auftragsindividuelle CNC-Programmierung einer ersten Fräsmaschine für die Fertigung einer Pumpenkomponente erfolgt nun automatisiert. Das Maschinenprogramm wird automatisch über den Produkt-Konfigurator erstellt, sodass die Fertigungsmaschine direkt produzieren kann. Aufgrund des durchgängigen Informationsflusses vom Kunden zur Maschine verkürzt sich auch die Lieferzeit. Mitarbeiter haben nun mehr Zeit für Arbeiten, die Maschinen nicht übernehmen können.


Was steckt hinter Mittelstand-Digital?

  • Förderschwerpunkt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie
  • Bestehend aus drei Initiativen: „Einfach intuitiv – Usability für den Mittelstand“, „eStandards: Geschäftsprozesse standardisieren, Erfolg sichern“ und „Mittelstand 4.0 – Digitale Produktions- und Arbeitsprozesse“
  • Zehn Mittelstand-4.0-Kompetenzzentren
  • Ein Kompetenzzentrum Digitales Handwerk mit vier regionalen Schaufenstern
  • Mittelstand-4.0-Agenturen: Cloud, Handel, Kommunikation, Prozesse

Mehr Infos unter: www.mittelstand-digital.de

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