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CSI Entwicklungstechnik holt alle Anteile von Audi zurück

„Wir haben einen konsequent positiven Gestaltungswillen“
csi-Chef Steffen Boll zur Transformation im Automobilbau

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Steffen Boll ist Mitbegründer, Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der csi-Gruppe. Das Engineering-Unternehmen sieht sich als Partner der automobilen Welt und beschäftigt 550 Mitarbeiter an zehn Standorten in Deutschland. Bild: csi
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Nach Rückkauf der Audi-Anteile ist Steffen Boll wieder einziger Gesellschafter des 550 Mitarbeiter starken Entwicklungsdienstleisters csi. Welche Gründe ihn zu seinem Schritt bewogen haben und welche Zukunft er für sein Unternehmen sieht, erklärt er im Gespräch mit Rainer Kurek.

Rainer Kurek
Automotive Management Consulting (AMC) GmbH

Herr Boll, die csi-Gruppe gilt als ein führender Entwicklungsdienstleister. Was hat Sie bewegt, die von Audi gehaltenen 49 Prozent der Anteile zurückzukaufen?

Der Rückkauf gibt mir die Möglichkeit, die csi-Gruppe freier, flexibler und mit den richtigen Menschen und Kompetenzen in die Zukunft zu entwickeln. Die Zusammenarbeit mit Audi auf Gesellschafterebene war – ich denke für beide Seiten – wertvoll. Auf der operativen, projektbezogenen Ebene geht die Zusammenarbeit auch unverändert weiter. Dennoch hat sich csi seit 2011 enorm entwickelt und es wurde immer klarer, dass ein Konzern wie die Audi AG und die Entwicklungsdynamik eines Mittelständlers wie der csi-Gruppe nicht zusammenpassen. Sie unterscheiden sich bei der strategischen Ausrichtung, was Entscheidungswege, Geschwindigkeit, und Flexibilität, aber auch die Auswahl des Kunden-Portfolios angeht. Darum ist in mir die Entscheidung gereift, csi wieder alleine zu verantworten. Darauf freue ich mich! Denn die Leistungs- und Zukunftsfähigkeit von csi steht auf stabilem und wertvollem Fundament – strategisch, fachlich, prozessual und strukturell.

Die Situation der hiesigen Automobilindustrie gilt derzeit als äußerst herausfordernd. Wie schätzen Sie die weitere Marktentwicklung ein?

In der Tat, die Situation ist sehr herausfordernd. Es gibt keinen Königsweg, wie man mit den aktuellen – zum Teil selbstgemachten – Risiken am besten umgeht. Darum werden die deutschen Premium-Hersteller jetzt sehr genau analysieren, wo sie ihr Geld investieren, respektive womit sie ihr Geld verdienen. Es ist zu sehen, dass die deutschen Hersteller durchaus zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen – und das ist gut für uns. Klar ist trotzdem: Die aktuelle Transformation der Automobilindustrie ist notwendig, um im internationalen Wettbewerb nachhaltig bestehen zu können. Niedrigenergie- und Niedrigemissionsfahrzeuge werden gefordert. Und diese werden wir in der geforderten Art und Weise zur Verfügung stellen können. Diesbezüglich mache ich mir keine Sorgen.

Als Entwicklungsdienstleister agieren Sie oft an der Nahtstelle der OEM zur Zulieferpyramide. Welche Chancen sehen Sie in dieser anspruchsvollen Funktion?

Diese Nahtstelle wird immer wichtiger. Systemlieferanten bekommen immer mehr Verantwortung übertragen, müssen sich aber gleichzeitig mit dem OEM eng abstimmen. Dies ist äußerst anspruchsvoll. Durch die Digitalisierung wird zwar vieles vereinfacht, muss aber auch ganz neu gedacht werden. Darin liegt unsere Chance, denn anders als andere agieren wir bereits seit Jahren an dieser relevanten Schnittstelle. Wir kennen die Prozesse, Strukturen und vor allem auch die spezifische Kultur unserer geschätzten Kunden. Mit unseren zehn deutschen Standorten sind wir quasi bei allen Kunden vor Ort.

Mit einem Ultra-Leichtbausitz haben Sie gleich vier Innovation Awards gewonnen. Realisiert wurde er in einem kollaborativen Netzwerk. Ist dies die Zukunft?

Das hängt meiner Ansicht nach vom Projekt ab: Bei Innovationsprojekten ist dies möglich und eine interessante Option. Um solche Projekte umzusetzen, ist es erforderlich, die Kernkompetenzen unterschiedlicher Partner zu vereinen – anders geht es nicht. Und genau das haben wir erfolgreich realisiert und sind unter anderem mit dem Altair Enlighten Award belohnt worden, der weltweit höchstes Ansehen genießt.

Bei konkreten, realen Projekten ist dies jedoch deutlich schwieriger. Denn natürlich ist es eine Frage des Vertrauens, wie viel ich von meinem Wissen den Projektbeteiligten preisgebe. Dahinter muss ein ernsthaftes Interesse stehen und die Unternehmenskultur muss eine Zusammenarbeit mit externen Partnern auch zulassen. Wir sind dafür offen, aber bei vielen Mitbewerbern scheint mir das – noch – nicht der Fall zu sein.

Elektrifizierung, car to car communication, Leichtbau, autonomes und geteiltes Fahren sind Megatrends. Sollte ein Entwicklungsdienstleister allen Rechnung tragen?

Nein, aus meiner Sicht nicht. In unserer Situation als spezialisierter Entwicklungsdienstleister müssen wir uns ganz klar positionieren. Und das bedeutet für uns: Technologieführerschaft und Exzellenz in den Kompetenzen, die wir anbieten. Wir fokussieren uns zum Beispiel auf den von Ihnen angesprochenen Leichtbau. Der steckt in unseren Genen, in unserer Unternehmens-DNA und begründet, warum wir regelmäßig Awards gewinnen. Natürlich ist auch die Elektrifizierung längst bei uns angekommen und Teil unserer Kompetenzen. Noch nicht so ganz klar ist, wohin die Reise beim autonomen und geteilten Fahren geht. Hier erleben wir im Augenblick eine Neuausrichtung.

Der Innovationsdruck ist ebenso hoch wie die Effizienzforderungen in Entwicklung und Produktion. Wie gehen Sie bei csi mit diesem Spannungsfeld um?

Innovationen sind der Stoff, aus dem wir unsere Zukunft modellieren. Neue Wege zu gehen und auch mal scheinbar „verrückte“ Lösungen auszuprobieren, ist bei csi nicht wegzudenken. Denn nur so lassen sich neue Potenziale aufzeigen – und dies ist ein Schlüssel zu mehr Effizienz. Es gibt für uns also kein Spannungsfeld zwischen Effizienz und Innovation und es ist selbstverständlich, dass wir Prozesse – die eigenen und die unserer Kunden – immer wieder analysieren, um sie zu optimieren und so effizient wie möglich zu gestalten.

Die Verbindung von Fach- und Prozesskompetenz gilt in der Entwicklungsdienstleistung als zukunftsweisend. Ist diese Herausforderung groß?

Nein, auch das ist keine Herausforderung, sondern selbstverständlich. Wer aber nur auf Fach- und Prozesskompetenz achtet, vergisst – so sehen wir das – das Wichtigste. Denn entscheidend sind immer auch die Menschen. Darum fördern wir in unserer Akademie seit vielen Jahren die persönlichen Kompetenzen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Denn es sind Persönlichkeiten, die unsere Werte und Inhalte – intern und extern – transportieren.

Mit Ihrer hundertprozentigen Beteiligung an csi stärken Sie auch den Glauben an „Made in Germany“. Wie sehen Sie das Image des Autolandes Deutschland?

Das Ansehen der deutschen Automobilbranche ist international nach wie vor gut, auch wenn die Reputation unter dem Dieselgate gelitten hat. Hier helfen nur eine klare Vorwärts-Strategie, Innovationen und motivierte Fach- und Führungskräfte – über diese „assets“ verfügen wir bei csi. Und die vielen neuen Player sind gut für die deutsche Automobilindustrie. Ohne Wettbewerb ist es schwer, innovativ zu sein.

Seit 25 Jahren prägen Sie csi Entwicklungstechnik als Gründer, Gesellschafter und Geschäftsführer. Wie sehen die nächsten 25 Jahre aus?

Vielversprechend und erfolgreich! Wir werden mit und für die Menschen, die für uns arbeiten, ein starkes Stück Zukunft entwickeln. Wir werden unsere digitalen Prozessketten ausbauen. Dies setzt agile Fähigkeiten im Projekt-, Prozess- und Supply Chain Management voraus, um die Kunden in ihren Produktentstehungsprozessen zu unterstützen. Diese Stärken haben wir und werden wir strategisch weiter ausbauen.

Vieles ist im Wandel und das ist unsere Chance als Mittelständler. Denn wir sind flexibel, anpassungsfähig und haben einen konsequent positiven Gestaltungswillen. Und vor allem: Wir handeln!

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