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Industrie 4.0 als Zugpferd

Zuliefermesse Maschinenbau FMB erhält viel Zuspruch auch außerhalb von OWL
Industrie 4.0 als Zugpferd

Was vor zehn Jahren als Leistungsschau lokaler Maschinenbau- und Elektrounternehmen begann, hat heute sogar internationalen Charakter. Den weitesten Weg zur Zuliefermesse Maschinenbau FMB nach Bad Salzuflen hatte der türkische Maschinenbauverband. Aber auch Dänen und Niederländer waren in Ostwestfalen-Lippe (OWL) präsent.

Das große Messethema in diesem Jahr war „Industrie 4.0“. Fast wie von selbst führte das dazu, dass die Unternehmen, die in der Automatisierungs-, Antriebs- und Energietechnik zur technologischen Spitze zählen, auch in Bad Salzuflen für drei Tage ihre Messestände weit öffneten. Zum ersten Mal in Ostwestfalen-Lippe dabei war der schwäbische Automatisierungsspezialist Pilz. Im Fokus des Auftrittes standen komplette Automatisierungslösungen. Aber auch Dienstleistungen, Beratung und Engineering gehörten zu den Schwerpunkten.

Die sichere Automation ist nach Ansicht der Pilz-Vertriebsexperten ein ganz besonderer Schwerpunkt. Nunmehr lassen sich mit den konfigurierbaren Steuerungssystemen Pnoz-multi auch Sicherheitslösungen standardisieren. Teil des Gesamtpakets sind auch die konfigurierbare Kleinsteuerung PNOZ-multi Mini und das Gerätesystem Pnoz-multi-Mini, mit dem sich Kommunikations- und sichere Verbindungsmodule sowie Kontakterweiterungen schnell und einfach anschließen lassen.
Laut Dr. Tim Bendig, zuständig für strategisches Marketing beim Antriebsspezialisten Lenze aus Hameln, lässt sich künftig das Engineering in der Automatisierung und Antriebstechnik wesentlich schneller und auch sicherer realisieren. Der Turbo dafür sind standardisierte Software-Bausteine namens Lenze Fast. In Aussicht stellt Bendig einen „enormen Zeitgewinn“, den seine Kunden bei der Konzeption und bei Inbetriebnahme von automatisierten Fertigungs- und Antriebslösungen erreichen könnten. „Zeitgewinn beim Engineering ist ein entscheidender Faktor für Erfolg des Anwenders. Mit unserem Fast-System können Programmierer bis zu 80 Prozent des Software-Engineerings von standardisierten Maschinenmodulen schnell und zuverlässig selbst erledigen“, betont er. Einen großen Vorteil sieht Bendig auch darin, dass die Software-Bausteine wieder verwendet werden können. Lediglich 20 % des bisherigen Programmieraufwands seien für die konkrete individuelle Anwendung aufzubringen. „Bei Verwendung fertiger und getesteter Funktions- und Technologiemodule lassen sich gleichzeitig Kosten senken, Fehler reduzieren und wertvolle Zeit für Realisierung, Test und Inbetriebnahme von Maschinenmerkmalen gewinnen“, so Bendig.
Einen berührungslos arbeitenden Sicherheitssensor mit der Bezeichnung Eden für die höchste Sicherheitsstufe stellte die ABB Stotz-Kontakt GmbH vor. Das Besondere daran: Er erfüllt bereits jetzt schon die zu erwartende neue Norm. Wenn statt der bisher gültigen Norm EN 1088 die neue, international geltende EN ISO 14119 „Sicherheit von Maschinen“ in Kraft tritt, werden unterschiedliche Verriegelungsschalter klassifiziert werden. Damit wird dann auch der Einbau der Verriegelungseinrichtungen eindeutig geregelt sein. Es wird dann, so war auf dem Stand von ABB Stotz-Kontakt zu hören, vor allem dem Manipulationsschutz mehr Platz eingeräumt. Bei Eden handelt es sich um einen Sicherheitssensor für den Einsatz an verriegelten Türen oder Hauben. Das System besteht aus zwei sich ergänzenden Teilen, die passend Adam und Eva genannt wurden. Der Sensor wird nur aktiviert, wenn das Tor oder die Haube geschlossen ist und Adam und Eva einen bestimmten Schaltabstand aufweisen. Adam und Eva kommunizieren permanent dynamisch miteinander. Treten Fehler auf, löst dies sofort ein Stoppsignal aus.
Auch bei Phoenix Contact steht die nächste Entwicklungsstufe der industriellen Produktion unmittelbar bevor: Industrie 4.0 heißt für das Blomberger Unternehmen, dass ein intelligentes Netzwerk aus Mensch, Maschine und Produktion schneller zu einem fertigen Produkt führen wird. Alle Stationen der Herstellung, von der Konfiguration bis zur Auslieferung des fertigen Produkts, sollen für den Kunden besser, einfacher und schneller überschaubar sein. Der Grund: Mensch und Anlagen kommunizieren ohne Umwege direkt miteinander. Die bisherigen Hierarchien werden flacher. Die Produktion lässt so sich bei Stückzahlen und im Ablauf nahezu beliebig konfigurieren. Entwicklung und Fertigung laufen parallel und ergänzen sich gegenseitig.
Das sei keine Zukunftsmusik, versicherte Phoenix-Experte Cord Feldmann: „Wir haben schon jetzt einen großen Teil der benötigten Technologien und Geräte im Angebot.“ Als ein Beispiel nannte er in diesem Zusammenhang die Sicherheit von Maschinen und Anlagen. Feldmann: „Ausfall- und Stillstandszeiten ganzer Anlagen sind auf jeden Fall teurer, als eine vernünftige Sicherheitsstruktur der Automatisierungstechnik.“ Das von Phoenix Contact dafür entwickelte Safty-Angebot reicht vom klassischen Sicherheitsrelais bis zur netzwerkfähigen Sicherheitslösung. Beispielhaft erwähnte Feldmann das Kontakterweiterungsgerät PSR-URM4 42-230V. Mit ihm lassen sich sicherheitsgerichtete Signale für einen Eingangsspannungsbereich von 42 bis 230 V AC/DC als potentialfreie Kontakte weiterverarbeiten.
Auch Pilz präsentierte Komponenten für mehr Sicherheit in der Antriebstechnik. Mit Blick auf die sichere Überwachung der Antriebsdrehzahl entwickelten die Ostfilderner das Sicherheitsrelais Pnoz s50. Damit können gleich zwei leistungsstarke Bremsen kontaktlos und sicher angesteuert werden. So sorgt das Relais insbesondere im Bereich vertikaler Achsen für die erforderliche Sicherheit. Das kann beispielsweise an Belade- und Entladeportalen, Werkzeugmaschinen oder Hubeinrichtungen notwendig sein.
Der effiziente Einsatz und die Einsparung von Energie sind die schlafenden Riesen der Energiewende. So hat es einmal ein Minister aus Nordrhein-Westfalen auf den Punkt gebracht. Wie Recht er damit hatte, zeigte sich auch in diesem Jahr wieder in der FMB-Energie-Arena. Diese versteht sich als Kombination von Fachinformation und konkreten Lösungsangeboten beteiligter FMB-Aussteller. Organisator dieser Veranstaltung war wieder Klaus Meyer von der Energie Impuls OWL e. V. aus Bielefeld.
„Die gesamte Bandbreite der Diskussion um die Energiewende ist unser Thema. Steigende Energiepreise verlangen geradezu nach Produkten, Komponenten, Dienstleistungen und Strategien, um die Energieeffizienz im produzierenden Gewerbe zu steigern“, betonte Meyer, der auch als Vorsitzender des VDI-Landesverbandes NRW die Themenschwerpunkte Energieeffizienz und Industrie 4.0 voranbringen will. Klaus Meyer: „Die Einstellung von Geschäftsführern, Vorständen und Einkäufern ändert sich allmählich. Standen bisher bei der Anschaffung von Maschinen und Anlagen Aspekte wie Performance, Preis und Service im Vordergrund, wird nun zunehmend auch der Energieverbrauch ein Thema.“ Die Zeiten ändern sich, auch in Ostwestfalen-Lippe.
Hans-Ulrich Tschätsch Freier Journalist in Essen
Industrieanzeiger
Titelbild Industrieanzeiger 1
Ausgabe
1.2022
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