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„Unsere Erfahrung soll in eigene Entwicklungen fließen“

Geschäftsführer Norbert und Bernhard Scherzinger setzen auf eigenständiges Produkt-Portfolio
„Unsere Erfahrung soll in eigene Entwicklungen fließen“

Die Scherzinger Industry, ein klassischer Zulieferer für den Maschinen- und Anlagenbau, wagt den Sprung ins kalte Wasser. Mit einem eigenen Produkt, einem flexiblen Be- und Entladesystem für Maschinen, will sich das Hüfinger Unternehmen zum Systemanbieter mausern.

Herr Scherzinger, was ist die Kernkompetenz Ihres Unternehmens?

Norbert Scherzinger: Wir bieten eine breite Dienstleistungs- und Produktpalette. Hinzu kommt eine große Fertigungstiefe und hohe Flexibilität. Im Bereich Metalltechnik haben wir uns vom Schlossereibetrieb zum Hightech-Unternehmen entwickelt. Und die Entwicklung geht weiter zum Systemanbieter, der nicht nur produziert, sondern auch Konstruktion und Logistik übernimmt und darüber hinaus eigene Systeme entwickelt. Zu unseren Unternehmensschwerpunkten zählen Maschinen- und Anlagenbau, Maschinenschutzgitter, Blechverarbeitung, Maschinenverkleidung, Rohrlaserschneiden, Roboterschweißen und seit einigen Jahren auch die Automatisierung.
Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie?
Norbert Scherzinger: Derzeit arbeiten bei uns 45 gewerbliche und 5 kaufmännische Mitarbeiter. Rund die Hälfte vom Umsatz erzielen wir mit Produktionsdienstleistungen, die andere Hälfte kommt aus dem Bereich Anlagenbau und Automatisierung.
Vor zwei Jahren gab es eine Neu-Orientierung im Unternehmen. Gab es einen bestimmten Grund, war die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens in Gefahr?
Norbert Scherzinger: Die Neu-Orientierung ist nicht aus wirtschaftlicher Not geboren, sondern eine Entscheidung, die über einen längeren Zeitraum hinweg gereift ist. Wir wollten die Erfahrungen, die wir als Industriezulieferer bei der Herstellung von Schweißkonstruktionsteilen und im Anlagenbau gemachten haben, in ein eigenes Produkt einfließen lassen. Mit diesem Schritt sollten auch die Perspektiven des Unternehmens erweitert werden. Nach dieser Erweiterung und dem Einstieg in die Rohrlasertechnik wollten wir uns bewusst neuen Herausforderungen stellen. Unser Motto lautete: Weg von der reinen Auftragsproduktion und hin zu einem eigenständigen Angebot, das branchenübergreifend genutzt werden kann. Marktanalysen haben uns darin bestärkt, diesen Weg konsequent zu verfolgen.
Das Unternehmen heißt jetzt nicht mehr Scherzinger, sondern Scherzinger Industry. Wurde der Name aus einem bestimmten Grund gewählt?
Norbert Scherzinger: Die Umbenennung war eine logische Folge des beschriebenen Strukturwandels. Wir brauchten ein Dach, das die bisherigen Tätigkeitsbereiche und die hinzu gekommene Automatisierung verbindet. Der Name Scherzinger Industry soll das breitere Leistungsspektrum widerspiegeln. Und er bietet Platz für weitere Entwicklungen in der Zukunft.
Der SI-Master ist jetzt das neue Aushängeschild von Scherzinger Industry. Was verbirgt sich hinter diesem Produkt?
Bernhard Scherzinger: Der SI-Master ist ein Be- und Entladesystem für Maschinen und soll als kostengünstige Automatisierungslösung die Effizienz bestehender Maschinen erhöhen und die Produktion beschleunigen. Mitarbeiter, die bisher mit der Bestückung beschäftigt waren, können dadurch wichtigere Aufgaben übernehmen. Der SI-Master soll bei unseren Kunden für mehr Flexibilität sorgen, die Produktionskosten senken und Wachstum ermöglichen.
Wodurch hebt sich der SI-Master von Produkten des Wettbewerbs ab?
Bernhard Scherzinger: Das System ist nicht nur ein einzelnes Produkt, dahinter steht eine ganze Serie. Das Modell ist modular aufgebaut und lässt sich an die individuellen Bedürfnisse der Anwender anpassen – zum Beispiel durch unterschiedliche Zuführsysteme wie Schubfächer oder Bandsysteme. Zudem verfügt das Produkt über Standardschnittstellen für mechanische Zusatzkomponenten.
Als langjähriger Metallverarbeiter haben Sie alle Maschinen und Werkstoffe im Haus. Hat das die Entwicklung des SI-Master beschleunigt?
Bernhard Scherzinger: Mit Sicherheit. Dass wir alles im Haus haben, um den SI-Master ausgiebig zu testen, ist ein Vorteil. Alle gängigen Fertigungsverfahren können wir direkt durchführen. Weil bei uns alles aus einer Hand kommt, können wir eine qualitativ hochwertige Verarbeitung sichern und sämtliche Adaptionen des Systems zeitnah umsetzen. Von der Konstruktion bis zur Auslieferung eines individuell gestalteten SI-Master brauchen wir maximal vier Wochen. Das ist in unserer Branche ungewöhnlich.
Fordert der Markt individuelle Systeme für das Be- und Entladen von Maschinen?
Bernhard Scherzinger: So ist es. Be- und Entladesysteme sind vom Ansatz her Einzelmaschinen, die in unterschiedlichen Produktionsbereichen zum Einsatz kommen. Entsprechend breit gestreut sind die Anforderungen. Wir sind aber inzwischen in der Lage, standardisierte Systeme anzubieten, die nur noch in teilspezifischen Besonderheiten angepasst werden müssen.
Wie hoch ist der Bekanntheitsgrad von Scherzinger Industry?
Norbert Scherzinger: In unseren klassischen Geschäftsfeldern sind wir etabliert. In der Branche gelten wir als kompetenter Ansprechpartner für fertigungstechnisch optimierte Konstruktion. Und im Bereich der Automatisierung sind wir mit unserem neuen Produkt auf einem guten Weg, eine feste Größe zu werden.
Ist Scherzinger Industry jetzt mit dem SI-Master so etwas wie ein Start-up, obwohl das Unternehmen schon 75 Jahre am Markt ist?
Norbert Scherzinger: Ja und nein. Mit dem neuen Produkt bewegen wir uns in der Tat auf einem neuen Terrain. Wir treten an Unternehmen heran, die uns noch nicht kennen. So gesehen sind wir Neulinge, allerdings mit 75 Jahre Erfahrung in der Konstruktion. Deshalb können wir so genannte Kinderkrankheiten bei uns ausschließen.
Hoffen Sie, mit dem neuen Produkt bekannter zu werden?
Norbert Scherzinger: Wir hoffen das nicht – wir sind es bereits. Selbst in Unternehmen, die noch nicht direkt mit uns zu tun hatten, ist der SI-Master bereits ein Begriff.
Ein Blick in die Zukunft: Wie könnte das neue Produkt in drei bis fünf Jahren aussehen?
Bernhard Scherzinger: Wir wollen mit dem SI-Master hinsichtlich Technik und Design Maßstäbe setzen. Für uns ist das System aber schon jetzt wegen seiner Leistungsfähigkeit und Individualisierungsmöglichkeiten ein ausgereiftes High-End-Produkt.
Und wie sieht Scherzinger Industry in drei bis fünf Jahren aus?
Norbert Scherzinger: Wir werden unser breites Spektrum an Spezialleistungen pflegen und weiter entwickeln, denn davon profitieren alle Unternehmensbereiche. Die Automatisierung wird dabei eine zentrale Rolle spielen. Mit dem SI-Master werden wir uns als kompetenter Partner für Maschinenbau-Unternehmen etabliert haben. In den nächsten fünf Jahren wollen wir unseren Umsatz jährlich um eine Million Euro steigern.
Industrieanzeiger
Titelbild Industrieanzeiger 19
Ausgabe
19.2021
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