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Die Fakuma 2021 blickt auf Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft

Fakuma 2021: Digitalisierung und Circular Economy
Der Spritzguss verändert sich

Wer von 12. bis 16. Oktober auf die Fakuma 2021 nach Friedrichshafen fährt, wird die Kunststoffverarbeiter-Messe sofort wiedererkennen: Innovationen, Technologien und Machbarkeiten sind das Thema. Doch es gibt spürbare Veränderungen. Die Digitalisierung hat Fuß gefasst. Und die Branche hat begonnen, nachhaltiger zu werden und die Kreislaufwirtschaft vorzubereiten.

» Olaf Stauß, Redakteur im Konradin-Verlag

Zeit, die Früchte einzufahren, ist jetzt für die Spritzgießmaschinenhersteller. Bereits vor Jahren hatten sie die Grundlagen für Industrie 4.0 als Vorreiter gelegt. Schon letztes Jahr wäre Erntezeit gewesen, als die wichtigsten Euromap-Schnittstellen auf Basis von OPC UA für die Branche feststanden. Doch da musste die Messe ausfallen. So ist die Fakuma 2021 die Veranstaltung, auf der die Hersteller ihre Anlagen auf einem weit fortgeschrittenen Stand der Digitalisierung und Vernetzung mit deren Vorzügen präsentieren – vielleicht der entscheidende Trend der Messe.

Hinzu kommt, dass die bewusst gewordene Müllproblematik die Kunststoffbranche fordert. Die Branche muss und will ihr Negativ-Image loswerden und bereitet aktiv eine zukünftige Kreislaufwirtschaft vor. Es wird wohl ein langer Prozess werden, doch die Anstrengungen dafür sind unübersehbar. Annemarie Schur, Projektleiterin der Fakuma, übertreibt nicht, wenn sie sagt: „Das Thema Recycling und der Wandel von der linearen zur Kreislaufwirtschaft steht bei vielen Unternehmen auf der Agenda“ – und zwar auch bei jenen, die nicht an erster Stelle gefordert sind, wie etwa die Maschinenhersteller.

Auch die technologische Entwicklung ist in Pandemie-Zeiten nicht stehengeblieben. Die Besucher erwartet eine Fülle von Neuheiten bei Prozessen und Anlagen, die jetzt (erst) gezeigt werden können. Technologischer Fortschritt, digitaler Wandel und Nachhaltigkeit – diese Themen prägen die Fakuma 2021.

Spritzgießmaschinenbauer Engel Austria ist es sogar gelungen, alle drei Aspekte in einem einzigen, live produzierenden Anlagen-Exponat aufzugreifen (Halle A5, Stand 5204): Eine e-speed 420/90 mit 4200 kN Schließkraft (neue Baugröße) fertigt einen Margarinebecher aus PP als Monomaterial durch Spritzprägen. Seine Wanddicke inklusive Label (ebenfalls PP) liegt bei nur 0,4 mm. Die Labels sind interaktiv: Sie vermitteln Verbrauchern und Recyclern eine Fülle an Infos, abrufbar per Smartphone. Schließlich demonstriert Engel noch, wie die PP-Verschnittabfälle regranuliert und daraus Pöppelmann-Kegelverschlüsse spritzgegossen werden.

Die technisch größte Herausforderung einer Circular Economy trifft die Werkstofflieferanten, während die Maschinenbauer „nur“ ihre Verfahren anpassen müssen. Dennoch sind sie engagiert. Ein Leuchtturmprojekt ist „R-Cycle“, in dem unter Federführung von Reifenhäuser ein digitaler Produktpass für Kunststoffe entsteht. Dieser enthält alle für das Recycling relevanten Informationen wie etwa die Zusammensetzungen.

Trotz allem stehen Technologie und Digitalisierung im Vordergrund auf den Messeständen – das, was der Kunststoffverarbeiter braucht. Als „Highlight“ zeigt Wittmann Battenfeld beispielsweise seine neue servohydraulische Reihe SmartPlus (Halle B1, Stand 1204). Durch ausgewählte Standards und Optionen bietet die Spritzgießmaschine kurze Lieferzeiten und ein günstiges Preis-Leistungsverhältnis. Eine SmartPlus, ausgestattet mit Einspritzregelung HiQ Flow und Condition-Monitoring-System CMS-Light, produziert eine Radblende für Rasenmäher. Die Automation übernimmt eine „Easy-Zelle“ auf Rollen.

Die Österreicher haben noch weitere Exponate mit „Wittmann 4.0“, doch sie überraschen darüber hinaus auch mit digitaler Medientechnik: Mit dem Tool „Wittmann Interactive live“ weiten sie ihre Präsentation auf drei ihrer Standorte und die dort installierten Live-Exponate aus. Meinerzhagen zeigt zum Beispiel „Inline-Recycling“: Eine SmartPower 60 Ingrinder fertigt eine Dose mit Deckel aus PS.

Sumitomo (SHI) Demag hebt seine Condition-Monitoring-Systeme zur Minimierung von Wartungen hervor (Halle B1, Stand 1105). Drei Optionen gibt es bereits: Ins Visier nehmen sie die Elektrik vollelektrischer Maschinen, das Öl hydraulischer Anlagen sowie die 24-V-Steuerspannung. Weitere Optionen sollen folgen, etwa die Verschleißerkennung an Schnecke und Kugelgewindetrieben.

Arburg kündigt die Vorstellung der neuen Baureihe „Allrounder More“ für das Mehrkomponenten-Spritzgießen an (Halle A3, Stand 3101). Als großes Thema ist auch die 2016 eingeführte Steuerung Gestica vorgesehen, die massiv ausgebaut wurde und „Benchmark“ werden soll. Besonders die Navigation und den Ablaufeditor hat Arburg optimiert, damit Bediener mit wenig Clicks zum Ziel kommen. Multilift- und Sechsachs-Robot-Systeme lassen sich komplett integrieren. Die neue Gestica umfasst außerdem diverse Assistenz- und Regelungsfunktionen.

Fanuc feiert Europapremiere für die neue Reihe Roboshot Alpha-SiB auf der Fakuma (Halle 3, Stand 3211). Die für präzise Kunststoffteile ausgelegte Spritzgießmaschine sei schneller und flexibler als alle Roboshot-Modelle der vorigen Generation, heißt es. Sie geht mit fünf Maschinengrößen zwischen 500 und 2200 kN Schließkraft an den Start.

Auf pragmatische Weise macht Dr. Boy seine Spritzgießautomaten netzwerkfähig: via WLAN-Stick (Halle A7, Stand 7101). Aufwändige Installationen entfallen, der kabellose Anschluss ermöglicht die Überwachung per Smartphone und auch die Fernwartung. Ein Besucher-Highlight: Boy lädt zum Akzeptanz-Test für die Steuerung per Spracheingabe ein – so ähnlich wie mit Alexa vor dem Fernseher.


Spritzgegossener Kollimator aus Wolfram
Bild: Leonhardt e. K.

Leonhardt ermöglicht Wolfram-Spritzgießen

Die Leonhardt e.K. präsentiert sich als Spezialist für das Spritzgießen anspruchsvoller Werkstoffe (Halle A5, Stand 5206). Dazu gehört das Spritzen dünnwandiger Bauteile aus Wolfram, beispielsweise von Kollimatoren für Computertomographen. „Um dünnwandige Wolframteile im MIM-Verfahren (Metal Injection Molding) herstellen zu können, musste zunächst ein Bindemittel entwickelt werden, mit dem das Wolframpulver fließfähig wird“, erläutert Firmeninhaber Wolfgang Leonhardt. Nach vielen Versuchen stellte sich ein Compound aus Wolfram und PEEK als am besten geeignet heraus. Die Technologie hat sich Leonhardt patentieren lassen, das Unternehmen kann Wolfram derzeit als einziger Anbieter auf diese Weise verarbeiten. Dazu ist im Industrieanzeiger ein Beitrag erschienen.

Die gewonnenen Erfahrungen sind auch in ein AiF-ZIM-Projekt eingeflossen, bei dem Leonhardt mit dem IFKB der Uni Stuttgart eine neue 2K-Spritzgieß-Technologie entwickelt hat: Sie ermöglicht stoffschlüssige Verbindungen zwischen unterschiedlichen Keramiken. Besondere Herausforderung war, die Keramiken mit ihrem unterschiedlichen Sinterverhalten so zu konditionieren, dass sie synchron schwinden und einen festen Verbund eingehen. Mit dem Verfahren lassen sich beispielsweise eine Strukturkeramik mit hoher Temperaturfestigkeit und eine elektrisch leitfähige Funktionskeramik stoffschlüssig verbinden, zum Beispiel für die Medizin. Wolfgang Leonhardt: „Die 2K-Bauteile vereinen die Eigenschaften beider Materialien und lassen sich problemlos desinfizieren.“

Industrieanzeiger
Titelbild Industrieanzeiger 17
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17.2021
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